12. Juni 2019

Regierungsturbulenzen: Investoren bislang gelassen

Die Turbulenzen der österreichischen Innenpolitik werden aus internationaler Investorensicht gemischt beurteilt: Europäische Investoren sehen die Entwicklung eher gelassen, da der Brexit, Italien oder die zukünftigen Digitalisierungsstrategien von Unternehmen schon mehr Kopfzerbrechen bereiten, schreibt die Bankhaus Krentschker & Co. AG in ihrem aktuellen Marktkommentar. Allerdings haben sich die großen Rating-Agenturen nach dem Ende der Regierung bereits eher negativ bezüglich der letzten Entwicklungen in Österreich geäußert. So sehen sie die Nichtumsetzung der Steuerreform und Entlastung der Wirtschaft kritisch, da sie diese Maßnahmen auch als Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Österreich beurteilt hatten, was letztendlich auch die finanzielle Lage des Staates weiter gebessert hätte. Die Ratingagentur Fitch hatte Ende Mai ihre reguläre Bonitätsprüfung. Für eine Verschlechterung des Ausblicks hat die Regierungskrise aber richtigerweise nicht gereicht, so Krentschker.

 

„Tu felix Austria“

 

International gilt es, sich die Dynamik von Asien zum Vorbild zu nehmen. So befindet sich Österreich im soeben erschienenen „IMD World Competitiveness Ranking 2019“ auf Platz 19 und rutschte damit um einen Platz gegenüber dem Vorjahr zurück. Knapp davor liegt Deutschland, unser Nachbar Schweiz positioniert sich beispielsweise am guten 4. Platz, hinter Singapur, Hong Kong und den USA. Umso wichtiger wäre die rasche Bildung einer stabilen Regierung nach den Neuwahlen im Herbst. Wenn diese an die Reformen der letzten Regierung anknüpft, könnte man wieder beruhigt sagen: „Tu felix Austria“. Insgesamt werden aber für die österreichische Wirtschaft die Auswirkungen der Handelskriege, die Entwicklungen im Nahen Osten oder das weitere Zinsniveau mehr Bedeutung haben als die Innenpolitik, wenngleich die von der alten Regierung angekündigten, aber noch nicht umgesetzten Reformen der sich abschwächenden Konjunktur sicherlich gut getan hätten.

 

Kein Schaden durch Übergangsfrist

 

Die österreichische Wirtschaft wächst robust, aber nicht mehr so stark wie in den letzten beiden Jahren prognostiziert (2018: 2,7%; Prognose 2019 und 2020: 1,6% bis 1,7% laut WKO Mai 2019). Die politische Übergangsfrist, die voraussichtlich bis Jahresende dauern wird, sollte Österreich aber durchaus unbeschadet überstehen. Die entsprechende Unsicherheit entsteht nicht primär durch diese Übergangsregierung, sondern aufgrund der Tatsache, dass niemand aktuell den Wahlausgang und künftige Koalitionsvarianten abschätzen kann.


 

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