30. November 2018

Wie realistisch ist eine Jahresendrallye? – Marktkommentar

Das Jahresende nähert sich mit großen Schritten und wie jedes Jahr hoffen Investoren auf der ganzen Welt auf eine Jahresendrallye an den Aktienbörsen. Das Bankhaus Krentschker stellt in seinem jüngsten Marktkommentar die Frage, wie realistisch diese Hoffnung ist. Das Augenmerk werde demnach auch in den letzten Wochen des Jahres den bekannten politischen Faktoren gelten – Stichworte Brexit, Italien, US-Strafzölle. Die politischen Unsicherheiten könnten zum Jahresausklang der Spielverderber für eine bessere Entwicklung an den Märkten sein. Dem stehen aber gute fundamentale Daten gegenüber, sodass noch Hoffnung auf einen positiven Abschluss des bislang sehr negativen Quartals besteht, wie die folgende kompakte Analyse zeigt:

Unterbewertet
Zuletzt ist es zu einer starken Unterbewertung in gewissen Regionen gekommen, da die genannten Risiken in den Kursen bereits eingepreist sind. So weist zum Beispiel der europäische Aktienmarkt (Aktienindex Eurostoxx 50) derzeit ein KGV von 14,06 auf, was deutlich unter dem historischen Durchschnitt der letzten 10 Jahre von 17,10 liegt. Ähnliche Unterbewertungen sind ebenso an den Emerging Markets und in Japan zu finden.

 

Wie in Europa und Asien sind auch in den USA die fundamentalen Daten weiterhin gut und weit von einer Rezession entfernt. Die Ergebnisse der US-Firmen für das dritte Quartal fielen aufs Neue größtenteils besser aus als die ohnehin schon sehr hohen Erwartungen der Analysten. Die US-Wirtschaft steht also auf stabilen Beinen und daran dürfte auch das 4. Quartal nichts ändern. Zusätzliche wirtschaftsbelebende Impulse werden die USA im letzten Quartal des Jahres auch vom Weihnachtsgeschäft bekommen. Insgesamt verzeichnete der S&P 500 Index in den letzten 10 Jahren nur in einem einzigen Jahr (2012) ein negatives 4. Quartal (gemessen in Euro), wodurch berechtigte Hoffnung besteht, dass das aktuell negative Quartal noch ins Positive dreht, was ausgehend von den derzeitigen Niveaus einer Aktienrallye gleichkommen würde.

 

Politik ohne klare Linien
Politisch fehlen allerdings allerorts die klaren Linien: Trotz einer Vielzahl an Verhandlungsrunden gibt es weder beim Thema Brexit, zu welchem der kürzlich beschlossene „Trennungsvertrag“ erst noch vom britischen Parlament abgesegnet werden muss, noch beim Streit um den italienischen Haushaltsplan zwischen den Italienern und der EU eindeutige Ergebnisse. Deshalb dürften diese Themen auch in naher Zukunft noch die Stimmung an den Märkten beeinträchtigen, fürchten die Experten bei Krentschker – mit der genannten Einschränkung, dass die Märkte diese Themen bereits ausreichend negativ eingepreist haben dürften: So sind etwa die Risikoaufschläge italienischer Anleihen gegenüber den deutschen Pendants zuletzt deutlich gestiegen. Eine echte Eskalation zwischen Italien und der EU erwartet Krentschker auch nicht, da beide Seiten dabei zu viel zu verlieren hätten.

 

Auf der anderen Seite des großen Teichs stellt US-Präsident Donald Trump in seiner Unberechenbarkeit einen weiteren politischen Unsicherheitsfaktor dar. Obwohl die Dominanz von Trump und seiner Partei, den Republikanern, im US-Kongress nach den kürzlich erfolgten Mid Term Wahlen gebrochen werden konnte, könnte er jederzeit einen erneuten „risk on“-Modus an den Märkten auslösen: Denn in der Außenpolitik bleibt ihm weitgehend freie Hand. Zumindest klangen die Aussagen des Weißen Hauses zu einer Ausweitung der Strafzölle Anfang November etwas versöhnlicher.

 

Berücksichtigt man die Auspreisung politischer Risiken, ist somit eine Jahresendrallye nicht auszuschließen. Jedenfalls bieten die aktuellen Bewertungen vieler Aktien unter Abwägen aller Für und Wider derzeit äußerst günstige Einstiegschancen.


 

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