20. Mai 2019

Investiert bleiben und Ruhe bewahren - Marktkommentar

An den Börsen wird es in diesen Tagen ungemütlicher. Dies soll jedoch keinesfalls ein Grund für panikartige Verkäufe sein, rät die Bankhaus Krentschker & Co. AG. Vielmehr sollte man als Investor eine langfristige Perspektive im Auge haben und im besten Fall gar nichts tun. Denn weder private Anleger noch professionelle Fondsmanager schaffen es, den Markt zu schlagen und mit hektischen Käufen oder Verkäufen eine durchschnittliche Marktrendite zu erreichen. Dies zeigen langfristige Beobachtungen, so die Experten des Bankhauses.

 

Welthandel in Gefahr?

Nach einem starken Jahresbeginn an den Börsen mehrten sich zuletzt Anzeichen, die für die Märkte nicht förderlich sind: Die Weltwirtschaft ist wie erwartet mit einigen Herausforderungen konfrontiert, allen voran die Streitereien um Strafzölle zwischen den USA und China. Zu allem Überfluss veröffentlichte auch die Europäische Union eine Liste möglicher US-Produkte, die man mit Strafzöllen belegen könnte, wenn diese nicht die illegalen Subventionen für Flugzeugbauer, gemeint ist Boeing, zurücknehmen sollten, worauf die USA ihrerseits mit Vergeltungszöllen reagieren wollen. Ein Mix, der bei manchen Börsianern bereits ein Bild eines komplett darniederliegenden Welthandels erzeugt und Erinnerungen an das 4. Quartal 2018 hochkommen lässt, als globale Konjunktursorgen die Aktienkurse weltweit auf Talfahrt schickten. Wer damals seine Aktien verkaufte, lag angesichts des weltweiten Kursanstiegs in den ersten Monaten 2019  – der zu einem guten Teil der Zurückhaltung des US-Notenbankpräsidenten bezüglich weiterer Zinsschritte zu verdanken ist  – definitiv falsch. Womit wieder der Beweis erbracht ist, dass kurzfristige Strategien an der Börse nicht hilfreich sind.

 

Blick auf KGVs richten

Wer langfristig ausgerichtet und global investiert, braucht sich vor Schwankungen an den Börsen nicht zu fürchten, so eine nachdrückliche Strategie-Empfehlung von Krentschker. Der Anleger sollte bewusst nicht täglich auf die Börsenkurse blicken, sondern sich einmal pro Jahr die kumulierten Gewinne der Unternehmen ansehen: Das Kurs- / Gewinn Verhältnis (KGV) als einfachste Kennzahl gibt dabei schon einen guten Überblick. Je höher das KGV, desto „teurer“ ist das Unternehmen bereits an der Börse bewertet. Ein KGV von 17,2, das der amerikanische Markt derzeit im Durchschnitt aufweist, sagt aus, wie viele Jahre es dauert, bis die Unternehmensgewinne den Börsenkurs (Kaufpreis)  wieder hereingespielt haben. Diese Rechnung lässt sich auch mit anderen Anlageklassen darstellen und gut vergleichen. Eine österreichische Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 25 Jahren kommt derzeit auf eine Rendite von ca. 1%. Für investierte 100 Euro erhält man also einen Ertrag von 1 Euro, woraus sich ein Kurs- (100) / Gewinn (1) Verhältnis von 100 ergibt. Dieses ist also wesentlich unattraktiver als jedes, dass der Aktienmarkt zu bieten hat. Die gleiche Rechnung lässt sich auch mit Immobilien darstellen: Kauft man heute um 3.500,— Euro/Quadratmeter ein Haus oder eine Wohnung und rechnet man mit einem Mietertrag von 12,— Euro/ Monat und Quadratmeter, so ergibt sich daraus ein Quadratmeter-Ertrag von 120,— Euro pro Jahr. Wenn man dieses Ergebnis in Bezug zum Kurs (Kaufpreis) setzt, ergibt sich ein KGV von mehr als 34 (3500/120), also dem Doppelten des US-Aktienmarktes.

 

Korrekturen sind „normal“

Dass nach den Anstiegen seit Jahresanfang die Aktienkurse auch einmal korrigieren, liegt in der Natur der Sache, besser gesagt in der Psyche der Anleger. Die Idee, rechtzeitig zu verkaufen, um sich die Korrektur zu ersparen und dann wieder günstig einzusteigen, ist grundsätzlich gut, aber mit der Suche nach der ewigen Jugend zu vergleichen. Zumal es mit dem Verkauf alleine nicht getan ist. Damit die Übung gelingt, muss man später zu tieferen Kursen wieder einsteigen. Vielleicht gelingt auch das einmal, aber grundsätzlich ist nicht die Frage ob, sondern wann diese Strategie schief geht und man am Ende wieder mit leeren Händen dasteht. Wie sagte schon der legendäre Fondsmanager Peter Lynch einst? – „Wer länger als 13 Minuten damit verbringt, Wirtschaft und Marktprognosen zu analysieren, hat 10 Minuten verloren.“


 

Ansprechpartner

 

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