07. Oktober 2019

Die neuen Bauernregeln der Veranlagung

Die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat endgültig jegliche Investoren-Hoffnungen auf eine Kehrtwende bei den Zinsen auf längere Sicht zunichte gemacht. Ausgehend von dem neuen Negativspitzenwert von minus 0,5% für Zentralbankhinterlegungen, erwartet die Bankhaus Krentschker & Co. AG lange anhaltende „Nullzinsen“, sodass es „neue Bauernregeln der Veranlagung braucht“ und die Vermögensbildung strategisch neu geplant werden muss. Viele alte Anlegerweisheiten müssen über Bord geworfen werden, andere Verhaltensweisen haben aber auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten immer noch ihre Gültigkeit.

 

Aktien zentral für Vermögensaufbau

Aktien sind in Österreich und Deutschland bei den Anlegern absolut unterrepräsentiert. Die Quote der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung kommt selbst in sehr guten Aktienjahren über sieben Prozent nicht hinaus, die Gründe für die Skepsis liegen in der Historie beider Länder und in gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Im angloamerikanischen Raum hat jede „Hausfrau“ ihr Aktiendepot, während in Europa den Anlegern jedes Jahr Milliarden an Erträgen entgehen. So wurden alleine in Österreich im Jahr 2018 bis zu 5 Milliarden Euro durch die Veranlagung am Sparbuch verloren. Aktien stellen seit der Finanzkrise 2008 das zentrale Element der Vermögensbildung dar, stellt Krentschker klar.

 

Aktienanteil mindestens 30%

Der Aktienanteil im persönlichen Portfolio muss daher neu definiert bzw. es muss die Aktienquote entsprechend der persönlichen Risikobereitschaft angepasst werden – aber immer mit dem Augenmerk darauf, dass Aktienquoten von über 30% langfristig notwendig sind, um die von der EZB angestrebte langfristige Inflation von rund 2% p.a. abdecken zu können. In der Streuung der Aktien ist es von essentieller Bedeutung, weltweit zu agieren. Ein ausbalanciertes Portfolio soll auch im Zusammenhang mit der Währungsgewichtung entsprechend der weltweiten Marktkapitalisierung zusammengestellt sein. Zusätzliche Veranlagungen außerhalb des Euros können noch extra hinzugefügt werden. Waren früher aktive Fonds maßgeblich in den Portfolios vertreten, sind heute ETFs, also börsennotierte standardisierte Fonds auf den etablierten Märkten in der Regel die zielführendere Investition. Damit können Strategien entsprechend der Weltindizes kostengünstig, rasch und flexibel aufgebaut werden.

 

Langfristige Strategie

Vor rund 10 Jahren war der Anleiheanteil in einem Portfolio durchschnittlich noch deutlich höher als heute. Mit der heute dominierenden Vermögensklasse der Aktien ist es notwendig, den Anlagehorizont auf 15 Jahre oder länger zu legen. In einem derart langen Zeitraum spielen auch zwischenzeitliche Korrekturen nur mehr eine untergeordnete Rolle. Gerade bei der Vermögensbildung der jüngeren Generation bzw. zur frühen maximalen Schließung der Pensionslücke, ist ein langfristiger Aufbau anzuraten. Bei dieser langfristigen Strategie kann auch ein Ummanteln des Portfolios mittels einer Versicherungspolizze gerade bei hohen Aktienanteilen im Portfolio große steuerliche Vorteile bringen, da neben der einmaligen Versicherungssteuer die Kursgewinne der Wertpapiere während der Laufzeit steuerfrei sind. Gleichzeitig wird dadurch auch die Vermögensweitergabe noch entscheidend vereinfacht.

 

Antizyklisch handeln, Herdentrieb vermeiden

Alle Studien zeigen, dass ein oftmaliger Wechsel der Strategie nicht zu Erfolg führt. Dieser Herdentrieb bedeutet in der Regel, dass auf die jeweilige Situation zu spät reagiert wird und vor allem zyklisch ge- oder verkauft wird. Genau das Gegenteil ist lohnend. Krentschker hat eine eigene Rebalancing-Strategie in fast alle Portfolios eingebaut, um nicht nur die passende und für den Anleger maßgeschneiderte Strategie zu wählen, sondern bewusst ein antizyklisches Verfahren sicherzustellen: Kaufen, wenn die Märkte billig sind und verkaufen entsprechend ihrer vorgegebenen Struktur, wenn sie teuer sind. Dies erfolgt automatisch und ist somit von psychologischen Einflüssen weitgehend unabhängig. Das sichert neben der Optimierung innerhalb der Vermögensklasse durch Faktorentechniken das ständige Abschöpfen der Marktrenditen.

 

Sparbuch/Konto

Das gute, alte Sparbuch hatte früher geldvermehrende Funktion. Der Konsumverzicht und der stattdessen am Sparbuch geparkte Geldbetrag wurden ähnlich der Anleihe mit Zinssätzen honoriert, die eine Abgeltung der Inflation sicherstellten. Oftmals war bei längeren Bindungen auch ein Nettozuwachs durchaus möglich. Heute hat das Sparbuch den typischen Notgroschen- oder Liquiditätsreserveeffekt. Eine Autoreparatur oder andere unerwartete Gründe für kurzfristigen Geldbedarf können damit abgedeckt werden. Für höhere Beträge ist der nicht vorhandene Zinssatz uninteressant geworden. In einigen Ländern Europas wird bereits offen über Gebühren am Konto für Kapitalbeträge über 100.000 Euro nachgedacht.

 

Anleihen

Anleihen oder Schuldverschreibungen sind bezüglich ihres Zahlungsstroms und Auswirkung größeren Beträgen am Sparbuch ähnlich. Es wird Unternehmen oder Banken für eine bestimmte Laufzeit Kapital zur Verfügung gestellt wird. Diese Vermögensklasse, welche bei Anlegern und Investoren sehr beliebt war, hat bei Emittenten guter Bonität und Laufzeiten unter 10 Jahren in der Regel bereits negative Renditen. Damit fällt diese Vermögensklasse beim der Vermögensbildung aus, hat aber ihre Funktion noch als Stabilitätspuffer in gemischten Portfolios.

 

Gold und Rohstoffe

Gold gehört in jede Vermögensbildungsstrategie, wirft jedoch keine Zinsen ab. Dieser Nachteil ist beim aktuellen Zinsniveau jedoch vernachlässigbar. Trotzdem dient Gold bestenfalls als kurzfristige „Krisenwährung“ und als Absicherung bei Inflationsgefahren. Der Goldmarkt ist eng, volatil und daher ebenso wie andere Märkte starken Bewegungen in beide Richtungen ausgesetzt. Daher gilt Gold als Depotabrundung für systemische Krisenfälle, weniger als zentraler Baustein eines ausgewogenen Portfolios. Rohstoffe sind wie Gold von kleineren, engen Märkten geprägt. Außerdem ist es in vielen Rohstoffen nicht möglich, sich am Kassamarkt einzukaufen. Als Alternative steht der Futuremarkt zur Verfügung, wo heute Preise von morgen gehandelt werden. Dazwischen können durch sogenannte Rollover-Effekte positive oder negative Zusatzentwicklungen entstehen, die für den Laien schwer erkennbar und damit einschätzbar werden. Somit bleibt diese Vermögensklasse primär den Profis in den Vermögensverwaltungen der Banken vorbehalten und stellt ebenso wie Gold die Abrundung eines modernen Portfolios dar. Ähnliche Gewichtungen gelten für Investments in Immobilienfonds.


 

Ansprechpartner

 

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