19. August 2019

Der Mythos vom Sommerloch

Was hat es mit dem Sommerloch an den Börsen auf sich? Nach den Turbulenzen an den Märkten in den letzten Wochen stellten sich die Experten der Bankhaus Krentschker & Co. AG diese Frage, die seit Jahrzehnten die Investoren beschäftigt. Tatsächlich beweist ein Blick auf die 15-jährige Entwicklung des Weltaktienindex MSCI World (in USD), dass es keine Anzeichen gibt, wonach sich die Börsen speziell in den Sommermonaten schwächer entwickeln. Beim Sommerloch handelt es sich somit um einen Mythos aus einer Zeit, als der Wertpapierhandel noch nicht digitalisiert und daher der Börsenhandel in der Urlaubszeit reduzierter war, so die Krentschker-Geldanlage-Experten.

 

Aktien

Auffällig ist zunächst, dass tatsächlich rein statistisch der Satz „Sell in May and go away“ nicht ganz falsch zu sein scheint: Im langjährigen Durchschnitt lagen die Aktienkurse über die Jahre 2005 bis 2019 im April am häufigsten im „grünen Bereich“: Ganze zwölfmal schaffte es der MSCI-Index in diesem Monat ins Plus, sogar in den sehr schwierigen Börsenjahren 2008 und 2009 – Stichwort Lehman-Pleite. Während im Mai die Kurse im Durchschnitt nur mehr neunmal zulegten, ist insbesondere der Juni im langjährigen Durchschnitt mit nur fünf Anstiegen der schwächste Börsenmonat, gefolgt vom August, in dem der Weltaktienindex von 2005 bis 2019 (aktuell bis 12. August minus 3,2 %) bloß sechsmal ins Plus rutschte. Im Juli hingegen holten die Aktienkurse wieder stark auf: In eineinhalb Jahrzehnten stiegen die Kurse in diesem Sommermonat beachtliche elfmal, womit ihm „historisch“ sogar der zweite Platz nach dem April gebührt. Ein Sommerloch kann somit nicht identifiziert werden, so das Bankhaus Krentschker in seinem jüngsten Marktkommentar.

 

Gold

Auch die Entwicklung des Goldpreises (in USD) haben die Experten bei Krentschker unter die Lupe genommen, gilt Gold doch als sicherer Hafen, wenn es an den Aktienbörsen rund geht. Eine Regelmäßigkeit, welche die These vom „safe haven“ bestätigt, war jedoch auch hier nicht zu entdecken. Seit 2005 bis heute hatte Gold im Monat Jänner mit 11 Anstiegen die stärkste Performance. Der schwächste Aktienmonat (MSCI) Juni brachte beim Gold kein auffälliges Plus. Einzig im Monat August glänzte Gold mit 10 Kurssteigerungen besonders hell – möglicherweise ein Indiz, dass Anleger in diesem schwachen Börsenmonat in sichere Werte flüchten.

 

Quelle: Eigene Berechnung aufgrund von Kursdaten

 

Investiert bleiben

Fazit: Langjährige Beobachtungen der einzelnen Monate an den Börsenzeigen zeigen zwar im Einzelnen interessante Entwicklungen auf, lassen jedoch keine statistischen Muster erkennen. Die Monate Juli und August sind ganz „normale“ Monate mit keinen außergewöhnlichen regelmäßigen Entwicklungen. Für den Investor heißt das, Aussteigen im Sommer und Einsteigen im Winter würde auf lange Sicht nicht mehr Performance bringen. Auch wesentlich: Die Ausschüttungen bei Wertpapieren erfolgen auch im Sommer. Untermauert wird die Strategie des „Investiert-bleibens“ durch die These der USFinanzexperten Gary P. Brinson, L. Randolph Hood und Gilbert B. Beebower, wonach der Erfolg in der Geldanlage nur zu 2,1 % vom richtigen Markt-Timing und zu 4,6 % von Stock-Picking, also der aktiven Auswahl von Einzeltiteln, abhängt. Mehr als 90 % des Anlageerfolges wird demnach von einer individuellen, strategischen Vermögensstruktur beeinflusst.


 

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