Von der Privatbank zum Private Banking

Das Bankhaus Krentschker geht ursprünglich auf die 1923 erfolgte Gründung eines "Bank- und Wechslergeschäfts" durch Igo Forster in Leibnitz zurück. Im 2. Jahr seiner Geschäftstätigkeit eröffnete Forster eine Dependance am Grazer Hauptbahnhof, wandelte sein Unternehmen in eine OHG um und nahm seinen Mitarbeiter Kurt Pramberger, sowie seinen vormaligen Arbeitskollegen Moritz Krentschker als persönlich haftende Gesellschafter in die Bank auf. Der ambitionierte Krentschker übernahm daraufhin zunehmend die Initiative in dem noch kleinen Bankhaus. Nach dem Ausstieg Forsters wurde 1927 der Hauptsitz von Leibnitz nach Graz verlegt, wo Krentschker nun jene aufgelassene Filiale der "Allgemeinen Verkehrsbank" am ehemaligen Bismarckplatz 3 (Heute: "Am Eisernen Tor") adaptierte, in der seine Karriere einst als Banklehrling begann. Ab diesem Zeitpunkt firmierte die Bank als "Bankgeschäft Krentschker & Co".

 

Bereits im Jahr 1936 sicherte sich Krentschker eine Büroadresse am prestigeträchtigen Wiener Kohlmarkt (Nr. 5), und nach dem Anschluss 1938 gelang ihm die Gründung einer rasch gut florierenden Zweigstelle in Wien. Nach schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren, in der die Banken unter öffentliche Aufsicht gestellt wurden, wurde das Bankhaus 1950 wieder den Eigentümern Krentschker und Pramberger überantwortet. Nach dem späteren Ausstieg Prambergers stellte Moritz Krentschker im Jahr 1957 die Weichen für die zukünftige Absicherung des Bankhauses und übertrug der Steiermärkischen Bank die ideelle Hälfte des Vermögens an seinem Bankhaus, sowie eine Option auf die zweite Hälfte. Nach dem Tod des Gründers im Jahre 1967 realisierte die Steiermärkische Bank die Option und wurde Komplementärin und Alleineigentümerin des Firmenvermögens. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank 36 Mitarbeiter in Graz und Wien und verwaltete eine Bilanzsumme von 230 Millionen Schilling. Während der 70er-Jahre wuchs die Bilanzsumme der letzten verbliebenen "Privatbank" in der Steiermark, die nun auch über Zweigstellen in Gösting und Geidorf verfügte, rasch auf über 1 Milliarde Schilling, die von 85 Mitarbeitern erwirtschaftet wurde.

 

Mit der Steiermärkischen Bank im Hintergrund konnte das Bankhaus Krentschker in weiterer Folge vielfältigen Realitäten- und Beteiligungsbesitz aufbauen und das höherwertige "Privatkundengeschäft" konsequent weiterentwickeln. Anfang 1989 wurde das traditionell gewachsene Bankhaus in die zeitgemäße Form einer Aktiengesellschaft umgewandelt und steht heute mit 99,98% im Besitz der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG. Die restlichen 0,02% befinden sich im Privatbesitz. Im Jahr 1992 übernahm das Bankhaus die Repräsentanz der Handelskammer Schweiz-Österreich und Liechtenstein und ist seitdem eine wichtige Anlaufstelle für Geschäftsbeziehungen mit der Schweiz. Mit ca. 110 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von weit über 1 Mrd. Euro gehört die "Bankhaus Krentschker & CO AG" heute zu den etablierten Privatbanken in Österreich. Auch der Ambition und nicht zuletzt strategischen Umsicht von Moritz Krentschker ist es zu verdanken, dass sich sein Bankhaus im Unterschied zu Dutzenden anderen Bankengründungen der turbulenten 20er und 30er Jahre seit nunmehr 90 Jahren als fixe Größe im Bankensektor etablieren konnte.

 

Die historischen Angaben sind dem Buch "Banken in Graz" von Werner Rauchenwald (Leykam, Graz 2007) entnommen.